AUS GUTEM GRUND – EIN PLATZ FÜR ALLE

„Aus gutem Grund – ein Platz für alle“ ist ein Projekt, welches über die Kunst Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführt. In einer gemeinsamen Intervention soll der zentrale Platz in Karlsruhe, der Marktplatz, künstlerisch gestaltet werden. Menschen aus Karlsruhe und Geflüchtete, zusammen mit unserem Team von Ehrenamtlichen, treffen sich regelmäßig und setzen sich mit dem Thema Grundgesetz, Verfassung und Demokratie auseinander.

Was wir tun

Der Marktplatz ist zentraler Ort einer temporären Gestaltung in Karlsruhe. Mit Geflüchteten und hier Lebenden wird er vom
11.- 30. März zu einem Forum. Er wird gestaltet, vielfach bespielt und somit über mehrere Wochen im Fokus der Öffentlichkeit sein.
Wir sind das KunstUnternehmen, Künstlerinnen, die mit den Mitteln der Kunst und einer großen Gruppe von Mitarbeitern, Helfern, Geflüchteten und Ehrenamtlichen unterschiedliche Bereiche und Kulturen in unsere Projekte mit einbeziehen. Wir gehen über den Inhalt zur Form und verbinden verschiedene Welten. Auf dem Marktplatz wird ein großes Netzwerk aus weißen Linien direkt auf dem Asphalt aufgebracht. Mit dem Thema Demokratie und Menschenrechte befinden wir uns so direkt auf dem Boden des Grundgesetztes und erinnern an das Gründungsjahr der Verfassung vor 70 Jahren.
Netzwerke gibt es schon in vor- und frühgeschichtlichen Gesellschaften. In unserer Zeit ermöglichen sie u.a. einen raschen Informationsaustausch und führen zu immer schnelleren Veränderungen. Diese gibt es überall, doch der Blick darauf und die Reaktionen sind sehr verschieden. Eine Entwicklung ist das Erstarken nationalistischer Bewegungen. Dem setzen wir unsere Intervention hier entgegen, als Zeichen für ein anderes, demokratisches Verständnis. Wir schaffen eine Möglichkeit der Begegnung, des Gesprächs, der Diskussion auf dem Boden des Grundgesetztes. Das wiederum enthält eine Verpflichtung zur Menschlichkeit. Diese kennt keine Grenzen, nicht vor der Stadt, nicht vor dem Land, nicht vor Europa. Ansonsten ist sie keine.

Das Projekt besteht aus drei Teilen

Teil ATeil BTeil C
Bei den Treffen von Geflüchteten und hier Lebenden wird durch gemeinsames Lernen und Spielen, durch Kochen und Essen, Kontakt und Vertrauen aufgebaut. Das Thema Integration und Recht, Freiheit und Demokratie wird dabei aus verschiedenen Blickwinkeln aufgegriffen. Alle gemeinsam werden sich gleichermaßen damit auseinander setzen. Jeder Einzelne hat dabei die Gelegenheit, das für ihn relevante Grundgesetz auszuwählen und seinen persönlichen Bezug darzustellen.
Ist die gemeinsame Gestaltung des Marktplatzes in Karlsruhe. Ein Netzwerk von weißen Linien, die zum Teil aus Zitaten aus dem Grundgesetz bestehen, überspannt diesen zentralen Platz. So befinden wir uns direkt und indirekt auf dem Boden des Grundgesetzes. Sie werden von den Teilnehmenden gemeinsam auf den Asphalt aufgebracht. Die partizipatorische Intervention stellt eine besondere Möglichkeit dar, das Thema Recht in unserem Stadtzentrum zum Jubiläumsjahr 2019 als Auftakt der Feierlichkeiten zu positionieren.
Kunstausstellungen mit transdisziplinären Arbeiten der Beteiligten zum Thema Demokratie und Recht werden über die Dokumentation der künstlerischen Intervention hinaus in den kommenden drei Jahren das Thema im Bundesgebiet weiter in die Öffentlichkeit bringen. Eine Dokumentation des Projektes als Teil einer Ausstellung u.a. mit dem Nachbarschaftsmuseum Berlin und dem Haus der Geschichte in Stuttgart wird den theoretisch-wissenschaftlichen Teil ergänzen. Es bstehen Planungen für eine dreijährige Kooperation mit Partnern aus Bochum, Neuruppin und Ingelheim, an denen noch gearbeitet wird. Damit wäre das Thema langfristig im Fokus und würde neue Impulse erfahren.
Zur GestaltungZum InhaltZielÖffentlichkeit
Auf dem ca. 100 x 20 m großen Platz werden die Linien samt den Zitaten aus dem Grundgesetz von den Teilnehmern auf den Asphalt aufgebracht. Die Buchstaben werden vorbereitet und als Schablonen auf dem Boden verwendet, so dass diese nach dem Aufbringen der weißen Farbe als Negativform in schwarzen blockhaften Lettern auf dem Asphalt stehen bleiben. Da sie dieselbe Breite wie die Linien haben, entsteht aus der Ferne ein optisches Netzwerkgebilde, das bei näherem Betrachten den Text offenbart und ihn beim Abschreiten lesbar macht. Mit dem Forum Recht würden wir gerne zu Kooperationen, Workshops, Führungen oder Vorträge anregen. Gerade in unserer politisch kontroversen Zeit ist es wichtig, das Thema Grundgesetz historisch zu beleuchten und einen aktuellen Bezug herzustellen. Es sind nicht nur Geflüchtete, denen auch nach Integrationskursen noch Information zu diesem Thema fehlt, sondern auch hier Lebende, die sich gerne weiterbilden möchten. Die Werte unserer Demokratie und der damit verbundenen Freiheit müssen uns allen wieder neu bewusst werden. Als Zeichen mitten in der Stadt würde das nicht nur nach innen, sondern auch im Fokus nach außen wirken. In der Begeisterung für das Spielerische und im kreativen Miteinander entsteht Außergewöhnliches. Teil einer großen Installation im Stadtraum zu sein, ist für alle Beteiligten etwas Besonderes und hilft bei der Suche nach Identität. Hier wird der Bogen geschlagen von unserem Kunstprojekt 2017 „KEIN HAUS FÜR ALLE“, zu: „AUS GUTEM GRUND – EIN PLATZ FÜR ALLE“.
Seit über 50 Jahren steht Karlsruhe symbolhaft als „Residenz des Rechts“ auch für den modernen, demokratischen Rechtsstaat Deutschland. Schon aus der Historie erhebt sie den Anspruch als Vorreiterrolle für Demokratie. Die Rede ist von einer weltoffenen Stadt mit Freiräumen, einem großen Kulturangebot und südländischer Lebensweise.
Der Marktplatz hat als Stadtzentrum durch die Pyramide, das Rathaus und die Stadtkirche einen besonderen Stellenwert. Seit dieser Platz als Großbaustelle für die Untergrundbahn in den Fokus gerückt ist, hat er zeitweise von seiner Bedeutung eingebüßt und die Geduld der Bürger auf die Probe gestellt. Nun wird nach Jahren mit der Fertigstellung der Bitumendecke eine wichtige Zwischenetappe erreicht, bis im Jahr 2019 die endgültige Fertigstellung mit Natursteinplatten erfolgt. Mit unserer partizipatorischen Installation soll dieser wichtige Bauabschnitt bewusst genutzt werden, um den Menschen mit einer feierlichen Einladung den zentralen Platz im Jubiläumsjahr wieder angemessen zurückzugeben.
Ziel ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Demokratie, Grundgesetz und Verfassung. In einer Zeit, in der um Demokratie auf der Basis des Rechtsstaates – auch auf dem Rücken der Geflüchteten – gerungen wird, soll eine Signalwirkung nach außen entstehen. Die Installation wird formal die wiedergewonnene Verbindung auf dem Platz herstellen, ein Zeichen setzen und zum Abschreiten einladen. Das Stadtzentrum wird über einige Wochen zum Kulturevent und bindet in einer „künstlerischen Pause“ die Bürger aktiv ein. Diese nehmen ihren Marktplatz wieder ein, messen ihn ab und gestalten mit. So wird die überstandene Umbauphase mit den Mitteln der Kunst genutzt.
Die Intervention als Zeichen zum Jubiläumsjahr macht den kulturellen Anspruch einer modernen, offenen Stadt sichtbar. Die über mehrere Tage dauernde Aktion wird große Öffentlichkeit und viele Diskussionen mit sich bringen. Wie schon davor wird die Presse, der Hörfunk und das Fernsehen dabei sein.